Pasinger Fabrik München in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk Premiere: 20.06.2005 Diese Inszenierung läuft seit der Spielzeit 2006/07 über die Konzertdirektion Landgraf an verschiedenen deutschen Theatern
Regie: Benjamin Sahler Bühne: Bernhard Groß
Mitwirkende: Zarah Leander: Tanja Maria Froidl/Annelie Staude Bruno Balz: Victor Schiering Ludolf von Lubin: Christoph Pabst Michael Jary: Christian Auer u.a. Es spielt das Swing Orchester VONDERAU
Bringt man eine Revue über Werk und Leben Zarah Leanders zur Aufführung, teilt sich die Aufgabe des Regisseurs in Pflicht und Kür. Die Pflicht besteht aus detailgetreuen Kostümen, einer guter Maske, tollem Licht und an erster Stelle aus einer Hauptdarstellerin und Sängerin, die die großen Erfolge der schillernden Diva gut rüberbringt. … Die Kür besteht darin, die Sängerin als historisch kritisch zu bewertenden Person mit einzubringen – diente die gebürtige Schwedin doch Joseph Goebbels als Propaganda-Instrument in zahlreichen Ufa- Produktionen, gedreht in der Traumfabrik Babelsberg. … Die Brillanz der im ausverkauften Theater an der Wall aufgeführten Revue lag am Samstag aber in der Kür, die es schaffte, das Publikum einem Hin- und Hergerissensein in der Beurteilung Zarah Leanders in der Retrospektive auszusetzen. Man polarisierte: War sie eine Sängerin, die einfach nur ihren Job machen wollte, oder eine Opportunistin, die sich für ihren persönlichen Ruhm und monetäre Interessen dem Teufel verkaufte? … Gelungene Wortwechsel von Musik- und Wortarrangements bringen einerseits Stücke wie „Kann denn Liebe Sünde sein“ oder „Nur nicht aus Liebe weinen“ in die Revue, problematisieren aber ebenfalls die Gegensätze im Charakter Leanders. Unterschwellig weiß sie, dass sie nur erfolgreich sein kann, dass sie nur nach Deutschland geholt wurde, weil andere Stars sich nicht zum Zugpferd haben machen lassen. Dieser Gewissenskonflikt bestimmt das Stück – eine Meisterleistung von Regie (Benjamin Sahler), Ensemble und Autoren. Westfälische Nachrichten 26.03.07
Dramaturgisch geschickt erzählte die Leander nach dem Krieg einem US-Reporter und einem deutschen Fan ihr Leben. Hier gelang der Revue, elegant das Gleichgewicht zwischen moralischer Anklage und ästhetischer Rechtfertigung zu halten. Unaufdringlich aber auch unübersehbar war die Barbarei der Nazis allgegenwärtig. Genial der Einfall, Minister Goebbels in einem Telefonat mit seinem PR-Offizier durch ein schräg quäkendes Saxofon sprechen zu lassen. … Trotz aller Deutungsversuche beließ die Revue der Leander etwas von ihrer unerklärlichen Wirkung, ihrem herben Charme. Augsburger Allgemeine vom 09.10.06
Wer im großen Kursaal im Rahmen des Kulturfestivals einen romantischen Abend mit den rührseligen Liedern aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erwartete oder auch nur eine hübsche Geschichte einer großen Sängerin und Schauspielerin, der kam bei der Revue über das Leben der Zarah Leander zunächst wohl nicht auf seine Kosten. Denn diese Revue wurde zu einem dramatischen, musikalisch spannenden Gang durch die Geschichte der deutschen Unterhaltungskunst in der Zeit des Dritten Reiches. Passauer Neue Presse vom 06.10.2007
… lang anhaltender frenetischer Applaus. So gut wie jeder Versuch, die große Diva des Ufa-Films zu kopieren, scheiterte bislang kläglich. Die drei Autoren von „Der Wind hat mir ein Lied erzählt (Christian Auer, Karl-Heinz Hummel und Benjamin Sahler) bewiesen also nicht nur Mut, sich dennoch diesem Thema zu widmen, es gelang ihnen außerdem, durch eine geschickt gestrickte Dramaturgie, einen gelungenen Wechsel von Musik und Wort-Arrangements, ihre eigene „Revue über das Leben der Zarah Leander“ zu inszenieren. Schwerpunkt waren Zarah Leanders bewegte Jahre zwischen 1937 und 1943. Also jene Zeit, in der sie,gefördert vom Nazi-Regime ihre größten Erfolge hatte, mit Hitler und Goebbels dinierte, in Grunewald ausgebombt wurde und schließlich in ihre Heimat Schweden zurückkehrte. Münchner Merkur vom 20.05.05
Mussten sich die Ufa-Stars der Hitler-Zeit im Nachkriegsdeutschland der Frage stellen,warum sie nicht emigriert seien, wollte man von Zarah Leander wisse, warum sie als Schwedin überhaut nach Deutschland gekommen war. Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Zarah-Leander- Revue „ Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, mit der das Tournee-Theater Thespiskarren im Sachsenwald-Forum gastierte. Zarah Leanders Werk ist nicht von ihrem Leben zu trennen. Den Autoren Christian Auer, Karl-Heinz Hummel und Benjamin Sahler ist es gelungen, die richtige Gewichtung zu finden…. Die ehrgeizige Sängerin Leander konnte der Versuchung nicht widerstehen, als Ersatz für die emigrierte Marlene Dietrich zum Star aufgebaut zu werden. Ahnungen, was alles an Verbrechen geschah, hatte sie ausreichend, doch ließ sie diese nie bis zum Zweifel am eigenen Tun gedeihen. Mit leichter Hand distanzierte sie sich vom Rassenwahn….Das Schicksal jüdischer Kollegen, die Selbstmord begingen oder ins KZ verschleppt wurden, nahm sie lediglich betroffen zur Kenntnis. Erst als ihre Villa zerbombt wurde, kehrte sie Deutschland den Rücken. Da alles und das Schicksal ihres Komponisten Michael Jary (Christian Auer) und ihres homosexuellen Texters Bruno Balz (VictorSchiering) wurde in der Revue dargestellt. Ein gelungener Abend mit begeistertem Schlussapplaus. Bergedorfer Zeitung 02.04.07
Zielgenauigkeit …, als Leanders schwuler Liedlieferant Bruno Balz von der Gestapo übel zugerichtet wird: Das nächste gemeinsame Lied: „Davon geht die Welt nicht unter" wird ein unerwarteter Erfolg, weil jeder Hörer es sich zurecht interpretierte. Hier zeigt sich, wie im systembejahenden Schlager der Nazi-Zeit immer auch Subversion mitschwang. Münchner Abendzeitung, 21.05.05
Die dramaturgisch interessante, nicht verklärend wirkende Inszenierung gefiel demPublikum, das freudig applaudierte. Das schlichte Bühnenbild, es bestand neben Tisch und Stühlen aus großen weißen Wänden, machte es möglich, Filauschnitte und Fotos zu zeigen. So gelang eine realistische Darstellung mit dokumentarischen Elementen, die auch die damalige Propaganda des Nazi-Regimes nicht aussparte. Ruhr-Nachrichten 01.10.07
Die Revue machte es sich nicht einfach, die Verknüpfungen zwischen NS-Staat und Künstlerin zu deuten. Odenwälder Zeitung 23.03.07
Ein wahres Meisterwerk ist Regisseur Benjamin Sahler gelungen. Der Erfolg basiert neben der realitätsnahen Handlung vor allem auf der Art der Darstellung, mit der die Akteure die einzelnen Charaktere versehen und ihnen so Ausdruck verleihen. Am Ende der knapp zweistündigen Revue blickt der Zuschauer auf eine tolle Inszenierung, die das Leben Zarah Leanders behandelt, ohne dabei dieZusammenarbeit mit den Nationalsozialisten zu verleugnen. Die Glocke (Warendorf), 26.03.07
Die Stadthalle hatte zur Eröffnung der Abo-Vorstellungen eine gute Wahl getroffen. Es war eine Vermischung der unsterblichen Lieder, die Seele und Gemüt gleichermaßen erfreuen und in den Schauspielszenen realistisches Geschehen und den unmenschlichen und verbrecherischen Teil des Regimes verdeutlichte. Sprache, Kostüme und Dialogverbanden sich vorzüglich. Harzkurier 02.10.07
Am Samstagabend fand im ausverkauften Kleinen Haus die Revue „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ über das Leben der UFA-Diva Zarah Leander statt. Sie geriet nach einer anfänglichen Gewöhnungsphase, in der das Publikum die Tatsache verdauen musste, dass in dieser Inszenierung eben nicht nur die Lieder der Leander geträllert, sondern auch die politischen Bezüge zum Dritten Reich thematisiert wurden, zu einem umjubelten Erfolg. Delmenhorster Kreisblatt, 01.10.07
Das Tourneetheater „Thespiskarren“ aus Hannover enthält sich in seiner Inszenierung einer Wertung, ohne dabei die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten zu verleugnen. Benjamin Sahler (Regie) und Christian Auer (musikalische Leitung) zeichnen …eine große Karriere nach, lassen Spielszenen und Lieder für sich selbst sprechen. Am Ende entsteht eine unterhaltsame, gut zweistündige Revue mit nachdenklichen Zügen und einer glänzend aufgelegten Tanja Maria Froidl in der Hauptrolle. Mittelbadische Presse20.03.07
Eine große Stärke der Revue waren die echten Filmaufnahmenaus den 30er und 40er Jahren. Badische Zeitung 20.03.2007
Eine wunderbare Sängerin, sehr gute Musiker, schöne Kostüme, ein durchdachtes,ansprechendes Bühnenbild: Beste Zutaten für einen locker-flockigenTheaterabend. Doch leichte Kost ist es nicht, was das TourneetheaterThespiskarren und seine Truppe den Zuschauern servieren - und das ist gut so. Schließlich ist das Leben der Leander nicht gerade von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins geprägt: Als Ikone der politisch gesteuerten Nazi-Filmindustrie wird ihr Privatleben von der Propagandamaschinerie gnadenlos versklavt. Unter der Regie von Benjamin Sahler portraitiert Tanja Maria Froidl diesen Lebensweg als irrlichternde Suche: Nach materieller Sicherheit, nachberuflicher Anerkennung, nach alles erfüllender Liebe. … Zuweilen ist es fast ein wenig schade: Die Frau, die sich voll übersprühender Lebensfreude in ihrem Erfolg sonnt und das Leben als Star auch genießen kann, taucht in dieser generell rundum gelungenen und bestens besetzten Inszenierung nicht einmal ansatzweise auf. Südkurier, 22.03.07
Podiumsdiskussion nach der Premiere von "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" im Rahmen des Themenmonats "Heimat - eine verbotene Liebe" der Pasinger Fabrik Münchenin Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk (aus Anlass des 60jährigen Kriegsendes).