Mitwirkende: Angelina: Alexandra Parschina / Olivia Saragosa Don Ramiro: Gustavo Martin-Sanchez Dandini: Wieland Lemke Don Magnifico: John Sweeney Clorinda: Ruth Engel / Dana Kaplan-Keisler Tisbe: Anna-Clara Carlstedt Alidoro: Robert Rosenkranz
Diese Inszenierung der „Mitteldeutschen Kammeroper“ von Benjamin Sahler war eine
Produktion, die trotz kleinen Etats mit Ergebnissen aufwartete, die sich hören
und sehen lassen konnten. Die deutschsprachige Übersetzung (Dominik Wilgenbus)
hatte Witz, der in Benjamin Sahlers Inszenierung sehr adäquat und schwungvoll
umgesetzt wurde. Gewählte Assoziationen an die Gegenwart wie die Heiratshow
„Prinz sucht Frau“ erheiterten, ohne zu befremden, und die Ausstattung (Sabina
Moncys) fügte sich, bei aller Bescheidenheit der Mittel, gut in das behutsam
aktualisierende Inszenierungskonzept ein. …Zu der überzeugenden musikalischen
Seite des Abends kam nun eine äußerst schwungvolle Personenregie von Regisseur
Benjamin Sahler. Es wurde Theater gespielt – und wie! Alle Rollen waren
unverkennbar und hinreißend gezeichnet, die Sänger spielten als wie um ihr Leben
und vergaßen dieses Spiel auch bei den anspruchsvollsten Arien und Ensembles
nicht. Es war ein wunderbares Werkerlebnis, dass mühelos mit anderen
Inszenierungen dieser Oper an erstrangigen Häusern mithalten konnte. Am Ende der
Aufführung applaudierten die anwesenden Zuschauer stürmisch. Der Neue
Merker, Dezember 2007
Mit einer zeitlichen Umsetzung der Handlung in das heutige Milieu mit
Fernsehapparat und aktuellen Kostümen …wurde echtes Theater geboten, das nicht
nur für Kinder interessant sein dürfte. Bernburger Kurier vom
19.12.07
Eine moderne Inszenierung mit hohem Unterhaltungswert
und sehr guten darstellerischen und gesanglichen Leistungen konnte
Freitagabend das Publikum bei der Premiere der Rossini-Oper „La
Cenerentola“ erleben. Kostüme und Bühnenbild bedienen sowohl das
Auge als auch den Verstand. Und wenn der Berater des Prinzen mit dem
Handy telefoniert oder sich die eitlen Schwestern an Fitnessgeräten
tummeln, dann ist klar, diese Inszenierung …spielt in einer Kunstwelt,
die zeitübergreifend ist. Über der Bühne schweben drei Bildschirme als
ironisches Zitat auf die verlogene Welt des TV, das mit Castingshows
jungen Menschen falsche Ideale vermittelt: der Aufstieg zum
vermeindlichen Superstar. Wochenspiegel Wittenberg vom 28.11.07
Wer bin ich? Wer will ich sein? So steht es auf dem
Spiegelplakat zu „La Cenerentola“, so lautete die beziehungsreiche wie
allgegenwärtige Frage bei der ersten Vorstellung…. Auch die
ironische Bühnengestaltung von Sabina Moncys bot beste Voraussetzungen:
hier Couch-Idylle zur Wittenberg-Skyline, dort Flimmerkiste vor
Röhrender-Hirsch-Tapete. Mitteldeutsche Zeitung vom 27.11.07
Dank des Enthusiasmus´ und des Mutes, der dem jungen Regisseur und Intendanten der Mitteldeutschen KammerOper e.V. , Benjamin Sahler
eigen ist, gelangte auch in diesem Jahr eine abendfüllende Oper „wie
der Phönix aus der Asche“ im verwaisten ehemaligen Landestheater der
Lutherstadt Wittenberg zur erfolgreichen Premiere: Aschenputtel. 2006
begeisterte Humperdincks „Hänsel und Gretel“ bereits das Publikum.
Rossinis Belcanto-Feuerwerk „La Cenerentola“ aus dem Jahre 1817 für
eine Mezzosopranistin, ihre zwei Stiefschwestern und einen als sein
eigener Diener verkleideten Prinzen wird in der deutschen Fassung von
Dominik Wilgenbus gezeigt. Jedes Wort ist deutlich zu verstehen
und die Pointen sind auch bereits von zehnjährigen Kindern mit einem
herzhaften Lachen quittiert worden. Für viele der Zuschauenden ist das
der erste Opernbesuch. Die Kinder erkennen auf der Bühne so manches,
was ihnen vertraut vorkommt: Da wäre z. B. ein mit
altmodisch-prächtigen Möbeln, Fitnessgeräten und einem Fernseher bunt
zusammengewürfelter Wohnraum mitsamt Patchworkfamilie, der Eindruck
„schinden“ soll – mit einem gemalten Stadtprospekt der Lutherstadt
als Wand. Da wäre das ständig laufende, (von Benjamin Sahler in
aufwändiger Kleinarbeit speziell produzierte) Fernsehprogramm mit der
Heirats-Show. Da wäre ein überforderter, überschuldeter Vater, der von
seinen leiblichen Töchtern dirigiert wird. Die Ausstatterin Sabina Moncys vermag in der sehr lebensweltlich orientierten Bühnenräumen spätestens bei der Verwandlung in den Prinzensaal auch Poesie und Geheimnis herzustellen:
Immer geht es auch darum, dass fehlende Zuwendung der Menschen
untereinander zum Klammern an den Gegenständen führt. So kümmert sich
Don Magnifico rührend um seine Grünpflanze, das Aschenputtel mit dem
bezeichnenden Namen Angelina wendet sich hilfesuchend an einen halben Mannequinmann. Und
in den „Zwischenräumen“ auf der Drehbühne sind wiederum
Mannequinfiguren zu erkennen, in wechselndem Aussehen, Raum für
Projektionen bietend: Wer bin ich ? Was möchte ich gern sein ? Der Festsaal ist dann eine Parade aus weißen Stühlen, die sich während des finalen Ensembles im Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel eliminieren, bis sich nur noch die unbekannte Schöne
und der ausgelobte Prinz auf einem Stuhl wiederfinden. Dies sei nur als
ein Beispiel genannt, wie seitens der Regie oftmals sehr „nahliegende“
Spielvorgänge gefunden wurden, die das Märchenhafte nicht verleugnen
und trotzdem „auf dem Teppich“ ( der Realität einer Kleinstadt in den neuen Bundesländern ) zu bleiben verstehen.. Der
weise Lehrer und Philosoph Alidoro ist kein abgehobener „Märchenonkel“,
sondern ein junger, sehr „cooler Typ“. Trotz Handy, Sonnenbrille und
Kotelletten ist er kein Boss, sondern hat das Herz am rechten Fleck und Robert Rosenkranz ist in der eigenwilligen Interpretation ein herausragender Sänger-Darsteller im wahrsten Sinne des Wortes. Dandini (Wieland Lemke) ist als Pop-Star im weißen Anzug auch wieder eine Gestalt aus der Medienwelt vom Hier und Heute. Der eigentliche Prinz - Don Ramiro (Gustavo – Martin Sanchez) im grauen Allerweltsanzug verkleidet, überrascht
in der besuchten Vormittagsvorstellung mit seinem geschmeidig
geführten, strahlenden Tenor. Der Vater Don Magnifico ist in seiner
hageren Kauzigkeit wiederum eine ausgezeichnete Charakterstudie von John Sweeney. Seine hyperaktiven Töchter Clorinda und Tisbe wurden von Ruth Engel und Anna – Clara Carlstedt in ihrer aus dem Alltag leicht wiedererkennbaren Nervigkeit mit großer sängerischer und spielerischer Leichtfüssigkeit als die großen Schwestern von nebenan interpretiert. Last, but not least: Angelina, welche sich in der Interpretation Alexandra Parschinas durch
ein warmes Timbre und ein liebenswert bescheidenes Auftreten – erinnert
sei an die Szene mit dem Staubsauger während der ersten Begegnung mit
dem Prinzen - mit einer großen Steigerung zu selbstbewussten
Kolloraturkaskaden in den Finali auszeichnet. Der junge amerikalische
Dirigent Brett Alan Austad hat mit sensiblem Gespür dem Orchester Capella Wittenbergensis Rossini-Esprit
entlockt, welches das „tote Theater“ dieser Region wieder zu einem zwar
sehr kurzen, doch glanzvollen Leben erweckt. La Cenerentolas
zähes Festhalten an ihrer Hoffnung mag vielleicht eines Tages so stark
sein, dass Musiktheater in der einst für die deutsche Kulturgeschichte
so wichtigen Universitätsstadt an der Elbe nicht nur die Sache von
engagierten Einzelkämpfern bleibt... Kristina Wuss für die Deutsche Rossini Gesellschaft