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Mitteldeutsche Kammeroper (im ehem. Mitteldeutschen Landestheater) Wittenberg
Premiere am 23.11.07
Musikal. Leitung: Brett Alan Austad
Regie: Benjamin Sahler
Bühne + Kostüme: Sabina Moncys

Mitwirkende:
Angelina:         Alexandra Parschina / Olivia Saragosa
Don Ramiro:    Gustavo Martin-Sanchez
Dandini:          Wieland Lemke
Don Magnifico: John Sweeney
Clorinda:         Ruth Engel / Dana Kaplan-Keisler
Tisbe:             Anna-Clara Carlstedt
Alidoro:            Robert Rosenkranz



Diese Inszenierung der „Mitteldeutschen Kammeroper“ von Benjamin Sahler war eine Produktion, die trotz kleinen Etats mit Ergebnissen aufwartete, die sich hören und sehen lassen konnten. Die deutschsprachige Übersetzung (Dominik Wilgenbus) hatte Witz, der in Benjamin Sahlers Inszenierung sehr adäquat und schwungvoll umgesetzt wurde. Gewählte Assoziationen an die Gegenwart wie die Heiratshow „Prinz sucht Frau“ erheiterten, ohne zu befremden, und die Ausstattung (Sabina Moncys) fügte sich, bei aller Bescheidenheit der Mittel, gut in das behutsam aktualisierende Inszenierungskonzept ein.
…Zu der überzeugenden musikalischen Seite des Abends kam nun eine äußerst schwungvolle Personenregie von Regisseur Benjamin Sahler. Es wurde Theater gespielt – und wie! Alle Rollen waren unverkennbar und hinreißend gezeichnet, die Sänger spielten als wie um ihr Leben und vergaßen dieses Spiel auch bei den anspruchsvollsten Arien und Ensembles nicht. Es war ein wunderbares Werkerlebnis, dass mühelos mit anderen Inszenierungen dieser Oper an erstrangigen Häusern mithalten konnte. Am Ende der Aufführung applaudierten die anwesenden Zuschauer stürmisch.
Der Neue Merker, Dezember 2007
  





























   
Mit einer zeitlichen Umsetzung der Handlung in das heutige Milieu mit Fernsehapparat und aktuellen Kostümen …wurde echtes Theater geboten, das nicht nur für Kinder interessant sein dürfte.
Bernburger Kurier vom 19.12.07
 
              
         
  
Eine moderne Inszenierung mit hohem Unterhaltungswert und sehr guten darstellerischen und gesanglichen Leistungen konnte Freitagabend das Publikum bei der Premiere der Rossini-Oper „La Cenerentola“ erleben.
Kostüme und Bühnenbild bedienen sowohl das Auge als auch den Verstand. Und wenn der Berater des Prinzen mit dem Handy telefoniert oder sich die eitlen Schwestern an Fitnessgeräten tummeln, dann ist klar, diese Inszenierung …spielt in einer Kunstwelt, die zeitübergreifend ist. Über der Bühne schweben drei Bildschirme als ironisches Zitat auf die verlogene Welt des TV, das mit Castingshows jungen Menschen falsche Ideale vermittelt: der Aufstieg zum vermeindlichen Superstar. 
Wochenspiegel Wittenberg vom 28.11.07
 
     
 
Wer bin ich? Wer will ich sein? So steht es auf dem Spiegelplakat zu „La Cenerentola“, so lautete die beziehungsreiche wie allgegenwärtige Frage bei der ersten Vorstellung….
Auch die ironische Bühnengestaltung von Sabina Moncys bot beste Voraussetzungen: hier Couch-Idylle zur Wittenberg-Skyline, dort Flimmerkiste vor Röhrender-Hirsch-Tapete. 
Mitteldeutsche Zeitung vom 27.11.07
 
     
    

Dank des Enthusiasmus´ und des Mutes, der dem jungen Regisseur und Intendanten der Mitteldeutschen KammerOper e.V. , Benjamin Sahler eigen ist, gelangte auch in diesem Jahr eine abendfüllende Oper „wie der Phönix aus der Asche“ im verwaisten ehemaligen Landestheater der Lutherstadt Wittenberg zur erfolgreichen Premiere: Aschenputtel.
2006 begeisterte Humperdincks „Hänsel und Gretel“ bereits das Publikum. Rossinis Belcanto-Feuerwerk „La Cenerentola“ aus dem Jahre 1817 für eine Mezzosopranistin, ihre zwei Stiefschwestern und einen als sein eigener Diener verkleideten Prinzen wird in der deutschen Fassung von Dominik Wilgenbus gezeigt.
Jedes Wort ist deutlich zu verstehen und die Pointen sind auch bereits von zehnjährigen Kindern mit einem herzhaften Lachen quittiert worden. Für viele der Zuschauenden ist das der erste Opernbesuch. Die Kinder erkennen auf der Bühne so manches, was ihnen vertraut vorkommt:
Da wäre z. B. ein mit altmodisch-prächtigen Möbeln, Fitnessgeräten und einem Fernseher  bunt zusammengewürfelter Wohnraum mitsamt Patchworkfamilie, der Eindruck „schinden“ soll – mit einem gemalten Stadtprospekt der Lutherstadt als Wand. Da wäre das ständig laufende, (von Benjamin Sahler in aufwändiger Kleinarbeit speziell produzierte) Fernsehprogramm mit der Heirats-Show. Da wäre ein überforderter, überschuldeter Vater, der von seinen leiblichen Töchtern dirigiert wird.
Die Ausstatterin Sabina Moncys vermag in der sehr lebensweltlich orientierten Bühnenräumen spätestens bei der Verwandlung in den Prinzensaal auch Poesie und Geheimnis herzustellen: Immer geht es auch darum, dass fehlende Zuwendung der Menschen untereinander zum Klammern an den Gegenständen führt. So kümmert sich Don Magnifico rührend um seine Grünpflanze, das Aschenputtel mit dem bezeichnenden Namen Angelina wendet sich hilfesuchend an einen halben Mannequinmann.
Und in den „Zwischenräumen“ auf der Drehbühne sind wiederum Mannequinfiguren zu erkennen, in wechselndem Aussehen, Raum für Projektionen bietend: Wer bin ich ?  Was möchte ich gern sein ?
Der Festsaal ist dann eine Parade aus weißen Stühlen, die sich während des finalen Ensembles im Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel eliminieren, bis sich nur noch die unbekannte Schöne und der ausgelobte Prinz auf einem Stuhl wiederfinden. Dies sei nur als ein Beispiel genannt, wie seitens der Regie oftmals sehr „nahliegende“ Spielvorgänge gefunden wurden, die das Märchenhafte nicht verleugnen und trotzdem „auf dem Teppich“ ( der Realität einer Kleinstadt in den neuen Bundesländern ) zu bleiben verstehen..
Der weise Lehrer und Philosoph Alidoro ist kein abgehobener „Märchenonkel“, sondern ein junger, sehr „cooler  Typ“. Trotz Handy, Sonnenbrille und Kotelletten ist er kein Boss, sondern  hat das Herz am rechten Fleck und Robert Rosenkranz ist in der eigenwilligen Interpretation ein herausragender Sänger-Darsteller im wahrsten Sinne des Wortes.
Dandini (Wieland Lemke) ist als Pop-Star im weißen Anzug auch wieder eine Gestalt aus der Medienwelt vom Hier und Heute.
Der eigentliche Prinz  - Don Ramiro (Gustavo – Martin Sanchez) im grauen Allerweltsanzug verkleidet,  überrascht in der besuchten Vormittagsvorstellung mit seinem geschmeidig geführten, strahlenden Tenor. Der Vater Don Magnifico ist in seiner hageren Kauzigkeit wiederum eine ausgezeichnete Charakterstudie von John Sweeney. Seine hyperaktiven Töchter Clorinda und Tisbe wurden von Ruth Engel und Anna – Clara Carlstedt in ihrer aus dem Alltag leicht wiedererkennbaren Nervigkeit mit großer sängerischer und spielerischer Leichtfüssigkeit als die großen Schwestern von nebenan interpretiert.
Last, but not least: Angelina, welche sich in der Interpretation Alexandra Parschinas durch ein warmes Timbre und ein liebenswert bescheidenes Auftreten – erinnert sei an die Szene mit dem Staubsauger während der ersten Begegnung mit dem Prinzen  - mit einer großen Steigerung zu selbstbewussten Kolloraturkaskaden in den Finali auszeichnet.  Der junge amerikalische Dirigent Brett Alan Austad  hat mit sensiblem Gespür dem Orchester Capella Wittenbergensis Rossini-Esprit entlockt, welches das „tote Theater“ dieser Region wieder zu einem zwar sehr kurzen, doch glanzvollen Leben erweckt. La Cenerentolas zähes Festhalten an ihrer Hoffnung mag vielleicht eines Tages so stark sein, dass Musiktheater in der einst für die deutsche Kulturgeschichte so wichtigen Universitätsstadt an der Elbe nicht nur die Sache von engagierten Einzelkämpfern bleibt...
Kristina Wuss für die Deutsche Rossini Gesellschaft

    
  
  

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